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Bibelabende:
Die Wurzeln Israels

Ich habe mich gefragt, ob es möglich ist, eine Darstellung der vier Bibelabende über so ein komplexes Thema auf einer Seite im Gemeindebrief unterzubringen.
Die Antwort ist einfach: Nein, es ist unmöglich. Noch mehr: nach zwei Bibelabenden mussten wir feststellen, dass dieses umfassende Wissensgebiet von den Vätergeschichten (Abraham,
Isaak und Jakob) bis zur Landnahme in Kanaan durch die –späteren– Israeliten, kaum in vier Bibelabenden bewältigt werden konnte. Aber letzten Endes ging es auch nicht darum, etwas „zu bewältigen“, sondern ein historisches Gefühl zu bekommen für das in den fünf Büchern Mose und im Buch Josua von Abraham bis zur Landnahme Berichtete. Dr. Schloz erzählte uns immer zuerst in Kürze die biblischen Inhalte und ging dann auf die möglichen historischen Hintergründe ein. Waren die Stammväter Abraham, dessen Sohn Isaak und Enkel Jakob tatsächlich historische Gestalten? Und wenn es sie gab, wo und wie haben sie gelebt?

Es wird angenommen, dass es sich bei den Erzvätergeschichten um ursprünglich selbständige Stammestraditionen gehandelt hat, die sekundär zu einem Verwandtschaftssystem zusammengefügt wurden. Und wo? Sie waren Nomaden, Aramäer, die ursprünglich aus Arabien in das Gebiet des „fruchtbaren Halbmondes“ gezogen waren. Sie lebten in Zelten und zogen mit ihren Viehherden umher. Die drei Stammväter gehören ursprünglich zu verschiedenen Aufenthaltsorten, die in der Bibel erwähnt werden, und –historisch gesehen– muss es nicht einmal sein, dass eine Verwandtschaft zwischen ihnen bestand.
Festgehalten werden kann aber, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Abraham, Isaak und Jakob wirklich historische Gestalten waren.

An die Geschichte der Stammväter schließt die Geschichte von Josef an, der nach Ägypten verkauft wurde. Diese Geschichte ist mit Sicherheit eine Novelle, die eine Verbindung zum Auszug aus Ägypten (Exodus) herstellen soll.

Am dritten Bibelabend standen die Geschehnisse um den Auszug des „ Volkes Israel“ aus Ägypten im
Mittelpunkt. Ich habe das „Volk Israel“ in Anführungszeichen gesetzt, weil zu diesem Zeitpunkt (anhand der regierenden Pharaonen bestimmbar: ca. 1290 –1194 v. Chr.) der Name Israel noch nicht erwähnt wurde. Die versklavten Menschen in Ägypten waren – historisch gesehen – eine semitische Sippe (es gibt sogar Namen für sie: „Schasu-Leute“ und „Hapiru–Leute“), die zu Bauarbeiten herangezogen wurden. Moses selbst ist
sehr wahrscheinlich diejenige historische Figur, die dieser Volksgruppe den Jahwe–Glauben brachte. Die biblische Geschichte des Auszugs aus Ägypten mit den vorangehenden sieben Plagen für den starrköpfigen Pharao, der die Sklaven nicht entlassen wollte, das Wunder am Schilfmeer, der Aufenthalt am Berg Sinai und die Wüstenwanderung bis zum Tod Moses (alles zu finden im 2. bis 4. Buch Mose) wurden an
diesem Abend besprochen.

Am vierten und letzten Bibelabend, der sich dieser Thematik widmete, wurden die Landnahme, wie sie im Buch Josua dargestellt wird und die geschichtlichen Hintergründe in dieser Zeit besprochen. Im Zentrum der Thematik stand die Besiedelung Kanaans durch die vorher erwähnten Hapiru–Leute und andere Sippen, die zur gleichen Zeit ankamen und sesshaft wurden. Historisch gesichert ist, dass um ca. 1200 bis 1000 v. Chr. ein allgemeiner Niedergang der Stadtstaaten Palästinas stattfand und zahlreiche Städte zerstört wurden.

Gleichzeitig wurden neue Dörfer gegründet, vor allem in den Bergregionen, die damals noch dicht bewaldet waren. Zu dieser Zeit begann die Bevölkerung die Bergwälder zu roden und Te r r a s s e n anzulegen. Wahrscheinlich fand diese „Landnahme“ nur teilweise kriegerisch, meistens aber einfach unterwandernd
oder infiltrierend statt. Ja, es gibt auch Hinweise auf friedliche Koexistenz, die in einigen Fällen sicher gegeben war. Erst im Laufe der Landnahme von Kanaan durch die „prae–israelitischen Stämme“ entstand langsam ein zusammengehöriges Volk Israel.

(Annelie Gareis)

 
 
 

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