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Evangelisch – Katholisch
Vortrag zum Reformationstag, 31.Oktober 2007, 19:30 h
in der Evangelisch-Lutherischen Adventskirche zu Quito
von OKR Dr. Rüdiger Schloz, Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde ... mehr

 

Evangelisch – Katholisch
Gemeinsamkeiten und Differenzen

 Vieles eint evangelische und katholische Christen:

•  Der Glaube an den dreieinigen Gott, der in der hebräischen Bibel als Schöpfer der Welt und Gott Israels, im Neuen Testament in Jesus Christus und dem Heiligen Geist bezeugt ist.
•  Das Verständnis der Bibel als Wort Gottes in den von Menschen verfassten Texten.
•  Die Heilige Taufe und die Überzeugung, dass in ihr der Heilige Geist zu unskommt.
•  Der Glaube, dass Christus im Abendmahl in Brot und Wein gegenwärtig ist und sich uns hingibt und Gemeinschaft untereinander stiftet.
•  Der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden, obwohl wir uns von ihm abwenden oder gegen ihn auflehnen.
•  Die Bekenntnisse der Alten Kirche.
•  Die Feier des Sonntags und vieler gemeinsamer Feiertage im Kirchenjahr sowie eine große Zahl gemeinsamer Kirchenlieder.
•  Der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

 

Was (noch) trennt
Noch immer trennen aber auch fundamentale Unterschiede die evangelische und katholische Kirche:

Das Kirchenverständnis
Nach katholischer Auffassung ist die Kirche von Gott zur Heilsmittlerin eingesetzt. Sie verfügt als Institution über den Gnadenschatz und gibt ihn an die Gläubigen weiter. In diese Heilsmittlerschaft sind auch Maria und die Heiligen einbezogen. Deshalb kann man zu ihnen beten und sie um Fürsprache vor Gott und um Hilfe in Notlagen bitten, die sie aufgrund ihrer Teilhabe am Gnadenschatz gewähren können.

Evangelischer Glaube kennt als Heilsmittler nur Jesus Christus und die Heilige Schrift, die ihn bezeugt. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die auf das gemäß der Heiligen Schrift gepredigte Wort Gottes hört und gemäß dem Auftrag Christi in den Sakramenten eine Bestärkung des Wortes durch die sichtbaren Zeichen erfährt. Maria und Heilige gelten als ehr-würdige Vorbilder des Glaubens, doch betet man sie nicht an, denn Anbetung gebührt Gott allein.

Die Reformation hat das in den Grundsätzen „solus Christus“ (Christus allein) und „sola scriptura“ (allein die Heilige Schrift) zum Ausdruck gebracht.

Das Amtsverständnis
Nach katholischer Überzeugung erhalten die Geistlichen im Weihe-Sakrament eine besondere Prägung. Eine Weihekette reicht dabei nach katholischer Ansicht bis zu den von Jesus erwählten Aposteln zurück.

Die Evangelische Kirche lehnt diese sakrale Sicht des geistlichen Amtes ab. Das Pfarramt ist für Protestanten eine bestimmte Funktion, welche die Gemeinde überträgt, wie sie auch, z.T. in neutestamentlicher Tradition, andere Ämter vergibt, z.B. das des Diakons, des Ältesten, des Katecheten. Pfarrer werden durch die Ordination nicht, wie katholische Priester bei der Priesterweihe, mit einem „character indelebilis“ (unauslöschlichen geistlichen Merkmal) ausgestattet, das ihnen eine andere geistliche Qualität gibt als den Laien.

Nach evangelischer Auffassung vermittelt allein die Heilige Taufe ein “character indelebilis“, das somit allen Getauften gegeben ist. Daher rührt der missverständliche Ausdruck vom „Priestertum aller Gläubigen“, der nicht besagt, dass alle Christen „Mini-Pfarrer“ wären, sondern dass alle Getauften die gleiche geistliche Würde besitzen. Die Geistlichen haben ein „iure humano“ (nach menschlichem Recht) übertragenes Amt mit Rechten und Pflichten. Es ist zu hoffen, aber nicht garantiert, dass ihre Berufswahl einer inneren Berufung entspricht.
 
Der Papst
Nach katholischem Verständnis ist der Papst der legitime Nachfolger des Apostels Petrus und als solcher zum obersten Hirten der Kirche bestimmt. Er wird als „Stellvertreter Christi auf Erden“ angesehen und verfügt als solcher über das „Lehramt“ der Kirche, ist also die oberste Instanz der Auslegung der Bibel und der Entscheidung in strittigen Lehrfragen, ja er kann „ex cathedra“ (vom Lehr-Stuhl aus) neue Dogmen verkünden, die dann für die katholische Kirche verbindlich sind.

Die Evangelischen lehnen diesen Anspruch strikt ab. Luther hat mit guten Gründen allein die Schrift und die Vernunft als Instanzen in Lehrfragen gelten lassen, denn „auch Päpste und Konzilien können irren“, was er vielfach nachgewiesen hat. In dem nachweislich unberech-tigten Autoritätsanspruch des Papstes, der im Ersten Vatikanischen Konzil zum  Dogma von  seiner Unfehlbarkeit ausgebaut wurde, lag eine der stärksten Triebkräfte der Reformation.

Die Sakramente und das Verständnis des Abendmahls
Die evangelische Kirche kennt nur zwei Sakramente: die Taufe und das Abendmahl. Denn nur sie sind in den biblischen Überlieferungen als solche bezeugt. Die katholische Kirche feiert sieben Sakramente, die sich erst im Lauf der Geschichte entwickelten. Nach katholischer Lehre kann die Eucharistie (das Abendmahlsgebet) nur ein geweihter Priester vollziehen. Nach evangelischer Auffassung kann im Prinzip jeder Getaufte das Abendmahl darreichen. Denn nach evangelischer Lesart sind es nicht die Kirche oder ihre Würdenträger, die zum Heiligen Mahl einladen, sondern Christus selbst. (In der Regel soll allerdings die „Verwaltung der Sakramente“ wie die Predigt dem ordinierten (geordneten) Amt vorbehalten bleiben.) Beide Konfessionen glauben aber daran, dass Christus in Brot und Wein beim Mahl gegenwärtig ist. Allerdings sind Brot und Wein für Evangelische nach der Feier wieder normales Brot und Wein. Für katholische bleiben sie geheimnisvoll gewandelt und können daher im Tabernakel aufbewahrt, verehrt und Kranken in die Wohnung gebracht werden.

Das Verständnis der Gnade Gottes
Ursprünglicher Ausgangpunkt für die Streitigkeiten, die vor fünf Jahrhunderten zur Spaltung in die evangelische und katholische Kirche führten, war die Frage, auf welche Weise die Sünden eines Menschen vergeben werden. Luthers aus dem Studium des Neuen Testaments, insbesondere der Briefe des Paulus, erwachsene Antwort wurde als „Rechtfertigungslehre“ bezeichnet.

Ein zentraler Punkt war hierbei das unterschiedliche Verständnis von dem Wirken der Gnade Gottes. Während sich Gläubige in der katholischen Kirche traditionell durch rituelle und ethische Praxis der Gnade Gottes vermeintlich annähern können, bleibt sie bei Protestanten ein unverfügbares Geschenk Gottes, das in Predigt und Sakrament angeboten und im Glauben ergriffen wird. Das bringen die beiden anderen reformatorischen Grundsätze „sola gratia“ (allein aus Gnaden) und „sola fide“ (allein durch den Glauben) zum Ausdruck.

In diesem Verständnis näherten sich die römisch-katholische und die evangelische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten einander an, was am 31. Oktober 1999 zur feierlichen Unter-zeichnung einer Gemeinsamen Erklärung der Kurie (des Vatikans) und des Lutherischen Weltbundes über das Verständnis der Rechtfertigungslehre geführt hat. Sie fand in Augsburg statt, wo die evangelischen Stände auf dem Reichstag im Jahr 1530 Kaiser Karl V. die Confessio Augustana, die grundlegende Bekenntnisschrift der Reformation, übergaben.

                                                                                                                      Dr. Rüdiger Schloz

 

 

 

 

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