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"Unvollendete" Chronik der Evangelisch – Lutherischen Adventsgemeinde zu Quito (1)

  1. Die Gründungsphase

Die Gemeindegründung erfolgte informell  im Jahr 1950. Unter der Initiative von Prof. Dr. Georg Dehn, einem schwer kriegsverletzten Archäologen, und dem Schweizer Tischlermeister Hans (Juan) Bodenmann wurden in dessen Haus an der Calle Pinzón schon seit 1946 Gottesdienste zu den kirchlichen Festen, fünf bis acht mal im Jahr, hauptsächlich durch den reformierten Pfarrer Paul Streich aus den USA, aber auch andere gelegentlich in Quito anwesende deutschsprachige Pfarrer (Ake Kastlund, Bogotá, Hermann Müller, Cali/Kolumbien) gehalten. Auf Betreiben von Prof. Dehn und Dr. Jürg  (Jorge) Wille  bemühte sich die evangelische Gemeinde seit 1953, über das Lateinamerika-Komitee des Lutherischen Weltbundes in New York einen evangelischen Pfarrer für Ecuador zu bekommen. Wegen der lebendigen Erinnerung an die jüngste Geschichte wollte man keinen Deutschen, sondern suchte nach einem Skandinavier, und zwar einem Norweger mit guten Deutsch- und Englischkenntnissen; Schweden und Dänen verstehen Norwegisch, umgekehrt ist es schwieriger.

Dieser wurde schließlich Anfang 1954 in dem norwegischen Pastor Odd Knævelsrud gefunden, der im Sommer dieses Jahres nach Quito kommen sollte. Doch verzögerte sich seine Ankunft in Quito wegen der Verweigerung eines Visums durch den streng katholischen ecuadorianischen Innenminister und Präsidentschaftskandidaten Camillo Ponce erheblich. Am 11.Januar 1955 wurde ein Pfarrhaus mit Gottesdienstraum in der Av. Colon 167 zur Monatsmiete von Sucres 1.750,- angemietet, das bis zum Eintreffen des Pfarrers am 28. Februar 1955 leer stand. Die Miete wurde vom Luth. Weltbund getragen, das Gehalt des Pfarrers zur Hälfte. Mitte März hielt Knævelsrud den ersten deutschen und den ersten skandinavischen Gottesdienst. Seine Amtseinführung erfolgte am 27. März 1955.

Die Anzahl der Gottesdienste musste beschränkt gehalten werden, weil Pastor Knævelsrud zweimal im Jahr die kolumbianischen Gemeinden in Bogotá, Cali, Medellin und Baranquilla sowie die Skandinavier in Lima betreuen musste.

Am 25. November 1955 wurde die erste Gemeindeversammlung abgehalten. Die "Asamblea General de fundadores" beschloss die Satzung der "Iglesia Evangélica Luterana en el Ecuador". Fundadores waren eine aus Deutschen, Schweizern und Skandinaviern bestehende Gemeinde in Quito. Dieser Satzung schloss sich die inzwischen gegründete Gemeinde in Guayaquil 1956 an.
  
Am 26. Mai 1957 autorisierte die Gemeindeversammlung den Erwerb eines Grundstücks in der Urbanisación Erdstein und genehmigte die Zeichnung eines am 15. März 1957 vom Lutherischen Weltbund in New York erbetenen Darlehens  in Höhe von US$ 18.000,- (entspr. DM 72.000,-) und die Annahme eines Geschenks des LWB von US$ 5.000,- (entspr. DM 20.000,-).

Der Grundstückserwerb konnte jedoch nicht legalisiert werden, weil die Anerkennung der Kirche als juristische Person, die am 28. August 1956 erfolgt und am 24. Dezember im Registro Oficial unter Ziffer 23 veröffentlicht worden war, im Januar 1957 wieder annulliert worden war.

Am 22. Juni 1957 erlangte die Kirche durch Dekret des Innenministeriums dann die definitive Eintragung als "Iglesia Evangélica Luterana del Ecuador". Damit war die rechtliche Voraussetzung für den Erwerb des Grundstücks gegeben. Dieser platzte jedoch, weil der Jesuitenorden als Verwalter des Grundstücks im September 1957 die Überschreibung an eine evangelische Kirche (!) verhinderte. Im Dezember 1957 wurden dann zwei andere geeignete Grundstücke gefunden.

Am 19. Januar 1958 entschied  sich die "Junta General de la Comunidad" zum Erwerb unseres Grundstücks in der Isabel la Católica. Der notarielle Erwerb erfolgte am 19. Februar 1958. Er kostete umgerechnet DM 55.000,- und wurde bar bezahlt! Die Gemeinde hat bis zu diesem Zeitpunkt 150.000,- Sucres (entspr. DM 50.000,-) gespendet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. April 1958.

Im Laufe des Jahres 1958 hat sich im Pfarrhaus Av. Colon 167 auch eine englischsprachige Gruppe zum Gottesdienst vereint.

Am 2. Mai 1958 approbierte die Gemeindeversammlung die Pläne des Schweizer Architekten Max Ehrensperger für Kirche und Pfarrhaus. Die Silhouette der Kirche sollte die des Pichincha aufnehmen. Die Kalkulation für den Bau belief sich auf DM 88.000,-, für Innenausbau und Mobiliar waren DM 17.000,- vorgesehen.  Es fehlten zu den DM 105.00 im Juni 1958 noch DM 18.000,-, die durch deutsche und schweizerische Spenden aufgebracht wurden. Dr. Wille entwarf ein „Bettelbüchlein“. Alle waren aufgefordert, ein ganzes Monatseinkommen für die Kirche zu spenden. Die Einweihung erfolgte am 1. Advent, dem 30. November 1958. Die Kirchenbänke waren von der evangelischen Gemeinde  von Bellos Horizonte gespendet. Die silberne Altar-Garnitur wurde von Dr. Willes Patin aus der Schweiz gespendet und nach dem Entwurf von Frau Wille in der Plateria Ecuadoriana auf der Av. Colon gefertigt. Dieses Silbergerät wurde in den 70er-Jahren gestohlen. Frau Bodenhorst aus Ambato spendete die ebenfalls inzwischen abhanden gekommene silberne Einlegeschale zum steinernen Taufstein. Der dänische Konsul Helge Vorbeck von der Brauerei ‚La Victoria’ schenkte die beiden Glocken; die kleine war die Glocke der ersten ecuadorianischen Lokomotive, die größere diente ursprünglich als Arbeitsruf der Brauerei. Auf einen Kirchturm hatte man verzichtet, um nicht zu provozieren.

In den Berichten der nächsten Jahre wird regelmäßig die pünktliche Rückzahlung des Darlehens an den LWB erwähnt und um Spenden geworben, um diese weiterhin sicherstellen zu können. Im Juni 1960 nahm Pfarrer Odd Knævelsrud Abschied von Quito. Für ein halbes Jahr kam aus Brasilien der norwegische Pfarrer Guido Tornquist (Juli 1960 bis Januar 1961) und dann für ein Jahr Fred Wolf aus den USA (Januar 1961 bis Januar 1962).

1956 hatte die Kirche  28 deutschsprachige Mitglieder und 20 Mitglieder skandinavischer Sprachen; das Budget des Haushaltsjahres belief sich auf 17.500.- Sucres. Im Jahr 1959  hatte die Gemeinde 38 deutsche, 9 schweizerische, 14 skandinavische und 5 anglo-amerikanische Mitglieder. Der Jahreshaushalt betrug Sucres 60.000,-

II.   Die Ausbauphase

Im Januar 1962 trat Torgeir Havgar aus Norwegen die längste Amtszeit an, die ein Pfarrer  in unserer Kirche je Dienst tat: bis Mai 1969, fast siebeneinhalb Jahre!

In diese Zeit fällt der Bau des Gemeindehauses. Im März 1965 beschloss die Generalversammlung, vom Lutherischen Weltbund die Gabe von US$ 10.000,- als Hilfe für den Bau eines Gemeindehauses anzunehmen. Der Kirchenrat wurde ermächtigt, dafür das Grundstück hinter der Kirche zu erwerben. Auch der gegenüber liegende Club Union hatte Interesse daran, doch die Freundschaft von Hans Bodenmann mit der Besitzerin, der Witwe Borja, verhalf der Gemeinde zum Zuschlag. Bis März 1966 kommen von den Lutherischen Kirchen in Dänemark, Schweden und Norwegen weitere Gaben von US$ 4.900,- zusammen.

Im Oktober 1965 wird die mit deutschen Mitteln durch Detlef Kleuker in Brackwede/Westf. hergestellte Orgel mit 168 Pfeifen in drei Registern (Gedackt 8’, Prinzipal 4’, Rohrflöte 2’ sowie Mixtur) auf einem Manual c – g’’’ und einem Pedal c - f’ eingeweiht. Dieser  Orgelbauer hatte sich auf den Bau von Tropenorgeln spezialisiert. Für die Aufbringung der Mittel hat sich der deutsche Organist Ernst Vette eingesetzt.

Das bunte Kirchenglasfenster über der Altarwand ist von der Ehefrau des Gemeindegründers, Frau Wille entworfen und im Dezember 1965 mit Mitteln aus Norwegen ausgeführt worden.

Im Jahr 1963 formierte sich in Guayaquil um Edisson Osorio auch eine spanischsprachige evangelisch-lutherische Gemeindegruppe, die allerdings nach dem Weggang des Pastors wieder zerstreut wurde. In den ersten Monaten des Jahres 1965 sammelte Edisson Osorio auch in Quito eine spanischsprachige Gemeindegruppe. Das war der Anfang der spanischsprachigen Gemeinde innerhalb unserer Adventskirche.

Im Juli 1968 beschloss die Generalversammlung den Bau des Gemeindehauses nach Plänen des ecuadorianischen Architekten Milton Barragán D. und autorisierte den Kirchenrat, mit einer Summe bis zu Sucres 350.000,- zu disponieren. Dieser Bau sollte sich über 4 Jahre hinziehen. Hier fehlt noch ein Bericht von der Grundsteinlegung!

1968 gehörten 70 Mitglieder der deutschsprachigen Gruppe an, 35 der englischsprachigen und 20 der skandinavischen Gruppe, insgesamt stammten diese aus 15 Nationen. Das Jahresbudget betrug US$ 230.000,-, von denen die Gemeinde $ 125.000,- aufbrachte und der Lutherische Weltbund $ 105.000,- beisteuerte. Der Baufonds (Fondo de construcción) enthielt im November 1968 US$ 200.000,-
Zu diesem Zeitpunkt war der Holländer Dr. Egbert v. der Kuip Präsident des Kirchenrates und Dr. Otto Seidlitz Präsident des „Consejo Administrativo de los Bienes de la Iglesia Evangelica del Ecuador“. Es gab also neben dem Kirchenrat einen „Vermögens-Verwaltungsrat“.

Nach dem Abschied von Pfarrer Torgeir Havgar im Mai 1969 wurde die deutschsprachige Gemeindegruppe ein Jahr lang von dem bayerischen Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting und die englischsprachige zwei Jahre lang wieder von Paul Streich aus den USA betreut. Gottesdienste wurden  jeden Sonntag um 9 Uhr in englischer und um 10 Uhr in deutscher Sprache gefeiert, am letzten Sonntag des Monats um 15 Uhr in Norwegisch.

1970 nahm Pfarrer Friedrich Wilhelm Levin aus Schleswig-Holstein seinen Dienst für die deutsche und die englische Sprachgruppe auf. Er war ein junger, historisch-kritisch ausgebildeter Theologe. Der 15-köpfige Kirchenrat ging während eines im Interesse der englischsprachigen Gruppe von ihm befürworteten zweimonatigen Studienaufenthaltes des neuen Pfarrers in den USA auf Konfrontationskurs und empfahl mit Mehrheit (9 zu 6) seine Rückkehr nach Deutschland. Intensive Vermittlungsbemühungen des Lutherischen Kirchenamts in Hannover, vor allem aber die Neuwahl des Kirchenrats unter Vorsitz von Eugene Braun 1972 führten zu einer Entspannung und schließlich zu einer sehr gedeihlichen Zusammenarbeit.

Die englischsprachige Gruppe wurde, nachdem sie von August 1969 bis Februar 1972 von dem deutsch-amerikanischen Reformierten Paul Streich betreut wurde, der schon vor der Gründung der Kirche immer wieder zu Gottesdiensten nach Quito gekommen war, bis 1993 von den deutschen Pfarrern mitbetreut. In den 80er-Jahren stieß die episkopalistische (anglikanische) Gemeinde „St. Nicholas“ dazu. Seitdem nennt sich die englischsprachige Gemeindegruppe „Advent-St. Nicholas (ASN)“.  In den Jahren 1988 bis 1991 betreute Christa Salinas auch die spanischsprachige Gemeindegruppe.

Der Bau des Gemeindehauses:  Am 1. Advent 1972, genau 14 Jahre nach der Kirchweihe, fand  die Einweihung des Gemeindehauses im Patio statt. Finanzielle Hilfe neben der Eigenleistung der Gemeinde durch LWB, Martin-Luther Bund und „andere kirchliche Stellen Europas und der USA“ (vor allem EKD).

III. Die Entwicklung der Gemeinde bis zur geänderten Kirchensatzung 1998

Die deutschen Pfarrer: Dr. Wolfhart Schlichting (Oktober 1969 – August 1970) ; Friedrich Wilhelm Levin (Dezember 1970 – Dezember 1976) ; Herwig Nolte (Dezember 1976 – August 1982); Uwe Mundt (September 1982 – Juli 1988); Christa Salinas (März 1988 – Juni 1991) –  Kurt Zumstein Juli 1988 – Mai 1993); Oskar Luetzow  (Oktober 1993 – März 1994); Claudio Molz (für alle drei Sprachge-meinden) (September 1994 – August 1998); Peter Lienenkämper (Dezember 1998 – Januar 2000).

1984 Vertrag mit EKD (Vorsitz im Kirchenrat – CD - Dr. Arturo Contag)

Die englischsprachigen Pfarrer: August 1969 – Februar 1971 Paul Streich; die deutschen Pfarrer Lewin, Nolte, Mundt und Zumstein betreuten zugleich die englischsprachige Gemeinde. April 1992 – Juli 1993 John Gill (USA) ; 1994 -1995 Theo Bundenthal (USA); April 1998 – Dezember 2007 Geoffrey Reeson, ein Anglikaner englisch-kolumbianischer Herkunft. Ab Juni 2008 Brian Turnbow von der Covenant Church (USA).
 
Die spanischsprachigen Pfarrer: Nach Edisson Osorio betreute der norwegische Missionar Ivar M. Agoy die ecuadorianische Gruppe von März bis Dezember 1966. Erst wieder im März 1988 war mit der Deutschen Christa Salinas eine Pfarrerin auch für die ecuadorianische Gruppe zuständig. Ihr folgte von September 1991 – August 1992 Juan Miguel Espinoza und dann bis 1993 Sergio Gonzales.
Der deutsch-brasilianische Pfarrer Claudio Molz betreute von September 1994 bis August 1998 alle drei Sprachgruppen. Seit Januar 1999 ist der frühere Generalsekretär des Lateinamerikanischen Kirchenrats (CLAI), der argentinische presbyterianische Pfarrer deutscher Abstammung Felipe Adolf (Schultheiss), der mehrere Jahre in Graubünden/Schweiz als Pfarrer tätig war, nebenamtlicher Pfarrer der spanischsprachigen Gemeinde. Der gegenwärtige kommissarische Generalsekretär des CLAI, der deutschstämmige brasilianische lutherische Pfarrer Nilton Giese ist ebenfalls in der spanisch-sprachi-gen und deutschsprachigen Gemeinde aktiv und wohnt im Obergeschoss unseres Pfarrhauses.

Pfarrer Claudio Molz und einige spanischsprachige Gemeindeglieder betrieben 1998 eine Änderung der Satzung von 1957, durch welche die drei Sprachgruppen der einen Gemeinde sich zu drei weitgehend voneinander unabhängigen, wenn auch rechtlich unselbständigen Gemeinden entwickelten. Die EKD, mit der vertragsgemäß über Satzungsänderungen Einvernehmen hergestellt hätte werden müssen, wurde nicht beteiligt. Dadurch war der Vertragsfriede gestört.

Das ist nur die Pfarrerchronik. Es fehlt die Chronik des Kirchenrats (Consejo Directivo) und seiner Präsidenten, es fehlt die Beschreibung der Konflikte, z.B. in der Zeit von Pfarrer Zumstein und Christa Salinas, die zum Auszug vieler Gemeindeglieder der Anfangszeit führten. Es müssen die sozialen Aktivitäten beschrieben werden, z.B. die vom Ehepaar Mundt äußerst engagiert betriebene Partnerschaft mit der indigenen „lutherischen“, von norwegischen Missionaren gegründeten
Gemeinde „La Libertad“ und ihrem Kindergarten in der armen Südstadt von Quito, die bis heute besteht, obwohl es sich eher um eine pentecostale als eine lutherische Kirche handelt. Zu den sozialen Aktivitäten größeren Ausmaßes neben der Einzelfallhilfe gehört ein Stipendienprogramm für indigene Jugendliche, die im Wesentlichen mit Mitteln von „Brot für die Welt“ bildungsmäßig gefördert werden. Wir sind dabei, ein Menschenrechts-Projekt in Gang zu setzen, um die Kirchen in Ecuador für den Kampf gegen den Frauenhandel zu mobilisieren und zu befähigen.

Es muss beschrieben werden, dass unsere Kirche das Ecuadorianische Ökumenische Komitee für Menschenrechte (CEDHU) maßgeblich mitbegründet hat und ebenso den Lateinamerikanischen Kirchenrat (Consejo Latinoamericano de Iglesias, CLAI), dem jetzt rund 180 lateinamerikanische protestantische Kirchen angehören und der seinen Sitz in Quito hat. Es muss das kirchliche Umfeld beschrieben werden, dass unsere Kirche die einzige evangelische Kirche Ecuadors ist, in der die europäische wissenschaftlich-theologische Tradition der Reformation gepflegt wird. So gibt es beispielsweise in Ecuador 12 indigene „lutherische“ Kirchen, von norwegischen Missionaren gegründet, die aber mehr oder weniger als Pfingstkirchen anzusehen sind. Wir sind in einem Kirchenbund (Federación de Iglesias Luteranas en Ecuador, FIELE) mit ihnen verbunden, aber faktisch bleiben sie lieber unter sich.

IV. Das letzte Jahrzehnt 1998 bis 2008

Nach Claudio Molz wurde von der EKD kein Pfarrer mehr regulär in unsere Kirche entsandt. Seitdem wurde die deutsche Pfarrstelle nur noch lückenhaft mit kurzfristigen Vertretungen versehen. Im Dezember 1998 kam für ein gutes Jahr der frühere Kirchenpräsident von der La-Plata-Kirche, Peter Lienenkämper, daran anschließend war von Januar 2000 bis Juni 2002 noch einmal Christa Salinas hier tätig. Nach einer längeren Vakanz kam im Februar 2003 der bayrisch-brasilianische Pfarrer Hermann Mühlhäusser für 2 ½ Jahre bis Juli 2005. Nach einer weiteren Vakanz sollte im Januar 2006 der inzwischen verstorbene ehemalige Landessuperintendent des Sprengels Göttingen der Hannoverschen Landeskirche, Dr. Hinrich Buß, für ein halbes Jahr die Gemeindevakanz vertreten, musste aber krankheitshalber nach wenigen Wochen den Aufenthalt in Quito abbrechen. Für 4 Monate kam dann Pfarrer Volker Lotz bis Juli 2006, und seit September 2006 ist Oberkirchenrat i.R. Dr. Rüdiger Schloz bis Juli 2009 Vakanzvertreter.

Im Jahr 2008 feiert die Kirche am 1. Advent ihre 50-jährige Kirchweih, zufällig am gleichen kalendarischen Datum wie vor 50 Jahren, dem 30. November.

Das „Festjahr“ ist geprägt von Aktivitäten, die die Zusammengehörigkeit der drei Sprachgemeinden unterstreichen sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, warum es unsere Kirche in Ecuador geben muss, was ihr Auftrag, ihre „Mission“ ist, welche Zukunft sie entwerfen muss. Die Satzung wurde erneuert, unter anderem, um den Vertragsfrieden mit der EKD wieder herzustellen, aber auch um eine Reihe von Problemen und Untriftigkeiten der bisher gültigen Satzung zu beseitigen. Im Zuge der Beschreibung der Bekenntnisgrundlagen der Kirche in der Satzung wurde erneut deutlich, dass sie zwar nominell „lutherisch“ ist, was dem Umstand geschuldet ist, dass der Lutherische Weltbund sehr zu ihrer Entstehung geholfen hat, dass sie faktisch aber Mitglieder sehr unterschiedlicher konfessioneller Prägung unter ihrem Dach vereinigt. Das legte die Überlegung nahe, die Leuenberger Konkordie in die Satzung einzufügen. Das ist durch deren Unterzeichnung möglich geworden.

Die neue Satzung wurde am 11. Mai 2008, an Pfingsten, in zweiter Lesung verabschiedet und wird jetzt dem Ministerium für Inneres, Polizei und Kultus zur Genehmigung vorgelegt.

Außerdem erfolgt im Jubiläumsjahr eine gründliche Renovierung des Anwesens: Kirche, Gemeinderäume im Patio (tiefergelegenr Hof) und Pfarrhaus, mit erheblichen Kosten und Anstrengungen, aber auch bemerkenswerter Hilfe der EKD.

Im dritten Gemeindebrief vom Januar 1961 wird berichtet, dass in Guayaquil Herr Carl Pfenniger zum Vorsitzenden der Bauprojekt-Kommission zur Schaffung eines ev.-luth. Kirchenzentrums gewählt wurde. (Was daraus geworden ist, habe ich noch nicht herausgefunden!)
Eine Gemeindeordnung der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde "El Salvador" (Iglesia Evangelico (!) Luterana - Guayaquil-Ecuador liegt in einer deutschen Übersetzung aus Bogotá (wieso von dort?) vom November 1963 vor, außerdem der spanische Text der Vereinbarung über die Vereinigung der Gemeinden Guayaquil und Quito: "Convenio entre las comunidades "El Adviento", Quito y "El Salvador", Guayaquil", mit dem Schlusssatz: "La Asamblea General de la Comunidad El Salvador de Guayaquil ha dado su aprobación al convenio que antecede en reunión del día 18 de enero de 1981.

Enden soll die „Gemeindechronik“ mit einem Blick auf die aktuelle politische, ökonomische und soziale Lage des Landes. Rafael Correa ist 1 ¼ Jahre im Amt, die Verfassungsgebende Versammlung ist kurz vor dem Abschluss ihrer Arbeit. Das ist der sozio-polit-ökonomische Rahmen unserer Kirche, der uns bewusst und wichtig ist. Wir sind gerade dabei, ein Menschenrechts-Projekt zu entwickeln, bei dem es darum geht, die vielen Kirchen in Ecuador als einen optimalen „Kleinverteilungsapparat“ für den Kampf gegen den in diesem Lande besonders aktiven „Menschenhandel“, speziell „Frauenhandel“ zu mobilisieren und zu befähigen. Dafür erhoffen wir finanzielle Unterstützung sowohl von der Bundes-republik Deutschland als auch von der ecuadorianischen Regierung, die dieses Problem ebenfalls als vordringlich einstuft.


1 - Es handelt sich hier nicht um eine wissenschaftliche Chronik. Die Darstellung folgt den leicht erreichbaren Quellen. Die noch vorhandenen Akten sind von Elisabeth Mühlhäusser dankenswerter Weise geordnet worden, aber es bestehen erhebliche Aktenlücken. Deren  Ausfüllung erforderte aufwendige Recherchen, auch im Sinne der „oral history“, um die wir uns bemühen.
 
 
 

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