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Die Johanneischen Schriften
Unsere Bibelabende

- Was unterscheidet das Johannesevangelium von den drei anderen? Warum ist es so anders?

- Stammen das Evangelium des Johannes, die Johannesbriefe und die Offenbarung des Johannes vom gleichen Autor?

- Für wen wurde die Offenbarung ursprünglich geschrieben und was sollte sie bei den Lesern bewirken?

- Was hat unsere „Virgen de Quito“ mit der Offenbarung zu tun?

Diese und andere Fragen beschäftigten uns in den Bibelabenden der letzten Monate. Da wir schon mit Pastor Volker Lotz mit dem Johannesevangelium begonnen hatten, baten wir unseren neuen Pastor Dr. Rüdiger Schloz, damit weiter zu machen.

Die ersten Abende waren also dem Johannesevangelium gewidmet. Ein großer Überblick über Aufbau, Gliederung und Form standen am Anfang und natürlich die Frage, wer das Johannesevangelium geschrieben haben könnte. Vielfach wird und wurde geglaubt, dass es der Jünger Johannes war, doch ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Augenzeuge der Verfasser des Johannesevangeliums ist. Zu viel spricht dagegen: der Aufbau folgt einer theologischen, nicht einer erzählenden Logik: die Tempelreinigung am Anfang, drei Reisen nach Jerusalem. Der johanneische Jesus verkündigt sich hier als den Gesandten Gottes, der selbst die Offenbarung ist: die „Ich bin“ – Worte, der Dualismus: Licht – Finsternis, Leben – Tod, Wahrheit – Lüge. Das unterscheidet das Johannesevangelium auch grundlegend von den 3 „Synoptikern“ Matthäus, Markus, Lukas.

Vom Johannesevangelium ging es dann weiter zur Offenbarung des Johannes – die Johannes-Briefe wurden nur insofern gestreift, als erwähnt wurde, dass sie weder vom Evangelisten noch vom Seher der Offenbarung verfasst wurden: der 2. und 3. Johannesbrief wurden wahrscheinlich um das Jahr 90 von einem Verfasser geschrieben, der 1. Brief einige Jahre später von einem anderen. Aber alle vier Autoren weisen in ihrer Theologie eine „Familienähnlichkeit“ auf, bilden gewissermaßen eine johanneische Schule.

Vom Verfasser der Offenbarung wissen wir mit Sicherheit seinen Namen: Johannes (er nennt ihn am Schluss selbst). Dieser „Seher“ Johannes dürfte aber  mit dem Verfasser des Evangeliums nicht identisch sein, obwohl einige gleiche Motive verwendet werden, aber das Griechisch – in dem beide Werke verfasst wurden – unterscheidet sich grundlegend. In der Offenbarung wird es offensichtlich als Fremdsprache verwendet. Noch viele andere Unterschiede im Schreibstil führen zu der als gesichert geltenden Annahme, dass der Verfasser der Offenbarung nicht identisch mit dem Verfasser der anderen johanneischen Schriften ist.

Was bedeutet „Offenbarung“ (Apokalypsis)? „Offenbarung“ bezeichnet die Aufdeckung von bisher Verborgenem. Hier ist damit konkret die Kundgabe des göttlichen Heilsplans und des Willens für die Gemeinden gemeint. Womit wir auch schon mitten im Thema der geschichtlichen Hintergründe sind. Der aktuelle  zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bedrohung der von Paulus auf seinen Missionsreisen begründeten Gemeinden in Kleinasien durch den Kaiserkult.  Den jungen Christen drohten im Fall der Verweigerung der Teilnahme an diesem Kult Zwangsmaßnahmen, zumindest aber die Abdrängung an den Rand der Gesellschaft. Sie werden bedrängt, ins Gefängnis geworfen (Offb 2,9f), vereinzelt, so in Pergamon (Offb 2,13) war es schon zu pogromartigen Ausschreitungen gekommen. Eine allgemeine Christenverfolgung ist zwar nach allem, was sich erkennen lässt, noch nicht ausgebrochen, aber Johannes hielt sie für unmittelbar bevorstehend. Die Offenbarung dürfte – wenn man den forcierten Kaiserkult unter Kaiser Domitian einbezieht – kurz nach dem Jahr 90 n. Chr. entstanden sein.

Sieben Gemeinden sind es, die von Johannes in Sendschreiben angeschrieben werden. Allerdings handelt es sich bei diesen Briefen um keine wirklichen, sondern um literarische Briefe.

Die Gemeinden werden gelobt (außer Sardes und Laodizea), getadelt (außer Smyrna und Philadelphia) – Johannes scheint sie sehr genau zu kennen. Bei den getadelten Gemeinden folgen Mahnung zur Busse und Androhung des Gerichts. Ein Weckruf fordert dazu auf, zu hören, was der Geist den Gemeinden sagt. Am Ende steht eine Verheißung für diejenigen, die durchhalten.

Auch im Weiteren entpuppt sich die Offenbarung als eine Durchhalteschrift für die von der drohenden Christenverfolgung bedrängten Gemeinden, die mit bildhaften Visionen des Sehers Johannes ausgeschmückt ist. Am Anfang steht die Thronsaalvision – in der die Wirklichkeit der bereits angebrochenen Herrschaft Christi thematisiert wird. Mit der Wahrnehmung des schon angebrochenen Heils werden die kommenden Plagen erträglich. Die weiteren Visionen sind:

Öffnung der sieben Siegel (Offb 6,1 – 8,1)

Sieben Posaunen – Vision (Offb 8,2 – 11,19)

Sieben Schalen – Vision (Offb. 15,1 – 16,21)

Die Hure Babylon (17,1 – 19,10)

Abschlussvisionen (19,11 – 22,5)

Buchschluß (22,6 – 21)

Nun zur „Virgen de Quito“ auf dem Panecillo: Ich denke, dass viele Menschen, die unsere „Virgen“ am Panecillo sehen, glauben, dass es sich dabei um die Jungfrau Maria handelt. Allerdings gibt es gute Gründe, die dafür sprechen, dass der Ursprung dieser Jungfrau in der Offenbarung liegt: Sie hat Flügel (Kap. 12,14) und zu ihren Füßen ist ein Drache, dessen Ketten sie in der rechten Hand hält (Kap. 20, 1 – 3). Alle diese Attribute werden sonst nirgends der Mutter Jesu zugeschrieben. Wenn es sich bei dieser Darstellung in der Offenbarung auch um die Geburt Jesu handeln dürfte, so stellt doch die Frau nicht nur die Mutter des Messias dar, sondern die Mutter aller Gläubigen. Und die Frau selbst verkörpert das wahre Israel, das Gottesvolk des Alten und Neuen Bundes, aus dem der Christus gekommen ist und zu dem alle gehören, die die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu bewahren.

Vier Monate Bibelarbeit mit Dr. Schloz haben wir damit zu Ende gebracht. Von den folgenden Themen „Die Wurzeln Israels“  und „Gottes Gerechtigkeit - die Theodizee“ berichtet dann der nächste Gemeindebrief.

(Annelie Gareis)

 

 
 
 

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