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Unser Glaube

Keine menschliche Kultur kann die Prinzipienfragen nach Anfang, Ende und Sinn von Welt und Leben unbeantwortet lassen. Die moderne Wissenschaft hat zwar triftige kosmologische Theorien entwickelt, die über Anfang und Ende des Universums plausible Vorstellungen vermitteln. Über den Sinn der Welt und des Lebens auf der Erde kann die Wissenschaft jedoch keine begründeten Aussagen machen.

Die Frage nach dem Sinn ist das Thema von Philosophie und Religion. Auch die Kunst ist in ihrem Kern eine Form des Ausdrucks von Sinn.

Kunst und  Religion bemühen sich seit Anbeginn der Menschheit um Sinngebung, wobei beide ursprünglich eine Einheit bildeten. Das wird etwa an den Höhlenmalereien erkennbar. Die Philosophie gehört schon einer späteren Kulturstufe an. Die frühesten Zeugnisse der Kultur belegen, dass die Fragen nach Anfang, Ursachen, Ziel und Sinn mit der Vorstellung von Göttern beantwortet wurden. Gott oder Götter sind die Platzhalter für die Geheimnisse der Welt, die Antwort verlangen. Gott ist der Inbegriff des Geheimnisses der Welt.

So haben auch die frühen Kulturen nach Antworten auf die Fragen nach Sinn und Ziel des Lebens und der Geschichte gefragt. Aus der Wiege unserer Kultur in Mesopotamien und Ägypten ging die jüdische Religion hervor, auf die das Christentum und der Islam aufbauen.

Das Judentum beruht im Kern auf der Erfahrung einer Errettung aus Knechtschaft. Eine Volksgruppe war in Ägypten versklavt, konnte sich befreien und der Verfolgung durch die Ägypter entkommen, was sie als ein Wunder erlebten. Mose ließ sie als den Gott, der dieses Wunder bewirkte, JHWH (Jahwe) erkennen und mit diesem Gott am Sinai einen Bund schließen. Das Gesetz dieses Bundes sind die Zehn Gebote.

Auf dieser Erfahrung der Errettung und dem Bundesschluss beruht der Glaube von Juden und Christen. Noch Jahrhunderte lang gingen die Juden davon aus, dass es natürlich viele Götter gebe, aber ihr Gott JHWH (Jahwe), mit dem sie durch einen Bund gegenseitig verpflichtet waren, für sie der einzige, ausschließliche, aber auch allen anderen Göttern überlegene, allmächtige Gott sei. Diese Verehrung eines einzigen Gottes unter mehreren nennt man Monolatrie. Erst allmählich bildete sich in Israel das monotheistische Bewusstsein heraus, dass Gott nur einer sei. Damit veränderte sich auch der Gottesbegriff: Gott wurde der Inbegriff für den Schöpfer und Herrn, Lenker und Bewahrer und schließlich Richter der Welt.

Das Judentum bildete eine sehr dynamische, geschichtliche Gottesvorstellung aus. Der Gott JHWH (Jahwe) wacht streng über die Einhaltung des Bundes, den er mit dem Volk Israel geschlossen hat. Die geschichtlichen Ereignisse bringen das Volk der Juden immer wieder in Bedrängnis, und sie erklären das mit ihren Verstößen gegen den Bund. Ihr Gottesbild entwickelt sich mit den geschichtlichen Erfahrungen, die sie zu Gott in Beziehung setzen, weiter. So wächst eine Hoffnung auf Erlösung aus dem Dilemma immer neuer Schicksalsschläge und Kontroversen mit ihrem Gott. In den Jahrhunderten vor der Zeitwende bildet sich die sog. Apokalyptik aus: eine Vorstellung vom Weltende und einem Neuanfang, nach dem alles Unrecht und Leid ein Ende findet und eine neue Welt des Friedens und der Gerechtigkeit entsteht.

In dieser Vorstellungswelt wurzelt der christliche Glaube. Jesus, ein einfacher Handwerker aus Nazareth in Galiläa, ganz im Norden Israels, griff die apokalyptischen Gedanken auf und brachte sie mit charismatischem Elan zur Explosion: Er  predigte, dass das Weltende und der Neuanfang jetzt akut sei, und zwar mit ihm: Das Reich Gottes ist hautnah herbeigekommen! Gottes Herrschaft bringt den Rechtlosen Gerechtigkeit, den Mühseligen und Beladenen Entlastung,  den Kranken Heilung, den Schuldiggewordenen Vergebung und der Menschheit Frieden. Diese Predigt wurde untermauert mit Zeichen und Wundern. Die Menschen waren dafür in ihrer Bedrängnis und Not empfänglich. Viele glaubten seiner Predigt und sahen in ihm den verheißenen und erwarteten Messias. Sie griffen die Verheißungen der jüdischen Glaubenstradition auf und erkannten in ihm den Erlöser, den Sohn, ja die Inkarnation Gottes.

Andere widersprachen und betrachteten ihn als Verführer und mit seinem Anspruch, Sünden zu vergeben und das Gottesreich herbeizuführen, gar als Gotteslästerer. Jesus zog mit seinen  Anhängern von Galiläa nach Jerusalem, möglicherweise um dort die Entscheidung über die Wahrheit seiner Verkündigung zu suchen. Diese Entscheidung ist auch gefallen, jedoch nicht auf eindeutige Weise.

Er wurde als Aufrührer und Gotteslästerer am Kreuz hingerichtet, starb und wurde begraben.
Nach dem Augenschein war er damit gescheitert und seine Botschaft vom Anbruch der Gottesherrschaft hinfällig geworden. Bei seinen Schülern jedoch brach der Glaube auf, dass entgegen dem Augenschein das Leiden und Sterben Jesu nicht eine Niederlage sei, sondern in Wirklichkeit Gottes Identifikation mit dem menschlichen Leid und so ein Sieg über Hölle, Tod und Teufel. In Visionen erschien ihnen Jesus als vom Tode auferstanden und lebendig. Sie deuteten sein Leiden und Sterben mit Hilfe der Propheten der hebräischen Bibel, etwa der Lieder vom leidenden Gottesknecht bei Jesaja 50,4-9 und 52,13-53,9, und entwickelten ein neues Verständnis der Gottesherrschaft: Sie beginnt nicht mit einer apokalyptischen Verwandlung der Welt, sondern mit einer Verwandlung der Herzen der Menschen, die sich dem lebendigen Christus im Glauben hingeben.

Die Botschaft und das Geschick Jesu von Nazareth und der Glaube an ihn als die Inkarnation Gottes eröffnet ein neues Verständnis Gottes und des menschlichen Lebens. Im Horizont des Gottesreichs, wie Jesus es zu verstehen lehrt, gewinnt unser Leben, unser Handeln, unser Schicksal einen anderen Sinn: Als begnadigte Sünder sind wir frei gegenüber Anklagen und Selbstzweifeln, haben wir Freimut zu neuen Wegen, auch wenn sie riskant sind, weil wir uns auf die Vergebung unserer Fehler verlassen können. Als Christen müssen wir nicht um unsere Anerkennung kämpfen, sondern können unser Leben in Dankbarkeit für die Solidarität Gottes mit uns gestalten, indem wir die Liebe weitergeben, die wir durch die Selbsthingabe Jesu Christi als das Wesen Gottes erkannt haben.

Wir glauben, dass der Geist Jesu Christi durch das Wort Gottes unter uns lebendig ist. Die Predigt der biblischen Überlieferungen vom Wirken Gottes in der Geschichte Israels, im Leben und Leiden Jesu, in den Zeugnissen seiner Auferstehung und in der Verkündigung der Apostel macht Gott unter uns gegenwärtig und erfüllt uns mit seinem Geist. Durch das Hören des Wortes Gottes und die Zeichen der Sakramente werden wir im Geist Gottes zur Kirche als der Gemeinschaft der Gläubigen verbunden. Die Gemeinschaft der Gläubigen versteht sich als durch die Vergebung der Sünden geheiligt und erwartet die sichtbare Vollendung des im Glauben wirklich werdenden Reiches Gottes.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das auf das altrömische Glaubensbekenntnis aus dem 2. Jahrhundert zurückgeht und Luthers Auslegung dazu ist in Luthers Kleinem Katechismus zu finden. Über die Unterschiede zwischen dem evangelischen und dem katholischen Glaubensverständnis informiert „evangelisch-katholisch“


Dr. Rüdiger Schloz

 

 
 
 

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